KI für Juristen und Steuerberater

5 sinnvolle Anwendungsfälle im Kanzleialltag

ChatGPT & Co. im Kanzleialltag

Kaum ein Thema wird derzeit in der Rechts- und Steuerberatung so intensiv diskutiert wie Künstliche Intelligenz (KI). Spätestens seit der Veröffentlichung von ChatGPT Ende 2022 beschäftigen sich Juristen und Steuerberater damit, wie sie KI sinnvoll in bestehende. Arbeitsabläufe integrieren können. Gleichzeitig wächst das Angebot spezialisierter Lösungen für die juristische und steuerliche Praxis – von Microsoft Copilot über DATEV KI-Funktionen bis hin zu Legal-Tech-Plattformen wie Legora, Libra oder Otto Schmidt Answers.

Die entscheidende Frage lautet dabei nicht, ob KI künftig zum Kanzleialltag gehört, sondern wie sie verantwortungsvoll eingesetzt werden kann.

 

Das Wichtigste in Kürze:

  • In Kanzleien existieren bereits zahlreiche Anwendungsfälle für Juristen und Steuerberater.
  • Mandantenkommunikation lässt sich effizienter gestalten.
  • Umfangreiche Urteile und Fachliteratur können schneller erfasst werden.
  • Verträge und Dokumentversionen lassen sich zeitsparend vergleichen.
  • Besprechungsprotokolle können automatisiert erstellt werden.
KI unterstützt - die Verantwortung bleibt beim Berufsträger

Künstliche Intelligenz verändert den Kanzleialltag - aber nicht die Verantwortung

Für Steuerberater und Juristen gilt ein wichtiger Grundsatz bei der Verwendung von KI: ChatGPT und Co. ersetzen weder den Steuerberater noch den Rechtsanwalt. Die fachliche Prüfung, rechtliche Bewertung und persönliche Beratung bleiben unverzichtbare Kernkompetenzen. Richtig eingesetzt kann generative KI jedoch zahlreiche Routinetätigkeiten beschleunigen und Mitarbeitende von zeitaufwendigen Standardaufgaben entlasten.

In diesem Beitrag stellen wir fünf praxisbewährte Anwendungsfälle vor, die bereits heute in Kanzleien eingesetzt werden. Jeder Anwendungsfall wird anhand eines konkreten Beispiels aus der Praxis von Steuerberatern oder Rechtsanwälten erläutert.

Welche Alternativen zu ChatGPT gibt es für Juristen und Steuerberater?

Neben den herkömmlichen KI-Modellen wie ChatGPT und Claude gibt es auch spezielle Legal AI-Tools. Diese haben Zugriff auf juristische Fachliteratur und wurden entsprechend auf diese Literatur trainiert. Dadurch können sogenannte Halluzinationen der KI – also faktisch falsche oder frei erfundene Ergebnisse – deutlich reduziert oder sogar nahezu komplett unterbunden werden. Auch kann der Anwender in diesen Modellen die Quellen in der Fachliteratur besser nachvollziehen als es auf herkömmlichen KI-Plattformen möglich wäre.

Fachseminare von Fürstenberg empfiehlt für KI-gestützte Recherchen zu rechtlichen Themen Otto Schmidt Answers.

Welche konkreten KI-Anwendungsfälle gibt es für Juristen und Steuerberater?

Eine der am häufigsten genutzten Anwendungen generativer KI besteht darin, Texte zu formulieren oder sprachlich zu optimieren. Gerade im Kanzleialltag entstehen täglich zahlreiche E-Mails, Informationsschreiben oder kurze Stellungnahmen, deren Erstellung viel Zeit beanspruchen kann.

 

Praxisbeispiel

Eine Steuerberaterin möchte einen Mandanten darüber informieren, welche Unterlagen für die Vorbereitung einer Betriebsprüfung noch fehlen. Inhaltlich ist schnell klar, welche Informationen übermittelt werden sollen. Das eigentliche Formulieren der E-Mail kostet jedoch Zeit.

Statt die Nachricht vollständig selbst zu schreiben, erstellt sie zunächst Stichpunkte und lässt ChatGPT daraus einen freundlich formulierten Entwurf erstellen. Anschließend prüft sie den Text, ergänzt individuelle Hinweise und versendet die finale Version.

Ähnlich lässt sich das Vorgehen in jeder Kanzlei einsetzen. So etwa bei der ersten Kommunikation nach Eingang eines Mandats oder bei organisatorischen Rückfragen zum weiteren Ablauf eines Verfahrens.

 

Der Nutzen

Gerade standardisierte Kommunikation lässt sich deutlich schneller erstellen, ohne an Verständlichkeit einzubüßen. Gleichzeitig können unterschiedliche Sprachstile gewählt werden – beispielsweise besonders formal gegenüber Unternehmen oder einfacher verständlich gegenüber Privatmandanten.

Dies reduziert den Zeitaufwand insbesondere bei wiederkehrenden Kommunikationsaufgaben.

 

Worauf geachtet werden sollte

Mandantenbezogene Informationen dürfen nicht unüberlegt in öffentlich zugängliche KI-Systeme eingegeben werden. Vor der Nutzung sollten daher stets die Datenschutzvorgaben der Kanzlei sowie die eingesetzte KI-Lösung geprüft werden. Viele Kanzleien setzen inzwischen auf Enterprise-Lösungen mit erhöhtem Datenschutz oder betreiben KI-Systeme innerhalb ihrer eigenen IT-Infrastruktur.

Richterliche Entscheidungen, Verwaltungsanweisungen oder wissenschaftliche Veröffentlichungen umfassen häufig mehrere Dutzend Seiten. Nicht jede Passage ist für die konkrete Fragestellung gleichermaßen relevant. Hier kann KI dabei unterstützen, zunächst einen strukturierten Überblick über Inhalt, Argumentationslinien und Kernaussagen zu gewinnen.

 

Praxisbeispiel

Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht möchte sich einen ersten Überblick über eine neue Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts verschaffen. Statt das vollständige Urteil mehrfach zu lesen, nutzt er ChatGPT zunächst für eine strukturierte Zusammenfassung.

Die KI arbeitet dabei beispielsweise heraus:

  • Welche Rechtsfrage wurde behandelt?
  • Wie argumentieren die Instanzen?
  • Welche Kernaussagen enthält die Entscheidung?
  • Welche praktischen Auswirkungen ergeben sich möglicherweise?

Anschließend prüft der Anwalt selbstverständlich das Originalurteil und bewertet dessen Bedeutung für den konkreten Mandantenfall selbst.

Auch Steuerberater können dieses Vorgehen beispielsweise bei neuen BMF-Schreiben oder umfangreichen Gesetzesbegründungen nutzen.

 

Der Nutzen

Die eigentliche juristische Analyse wird nicht ersetzt. Sie wird jedoch deutlich effizienter, weil die erste Orientierung wesentlich schneller gelingt und relevante Passagen gezielt vertieft werden können.

 

Worauf geachtet werden sollte

KI-Zusammenfassungen dürfen niemals die alleinige Grundlage einer rechtlichen oder steuerlichen Beratung sein. Insbesondere bei aktuellen Entscheidungen kann es vorkommen, dass wichtige Nuancen oder Einschränkungen nicht vollständig wiedergegeben werden. Die Originalquelle bleibt daher immer maßgeblich.

Im Kanzleialltag gehören Vertragsprüfungen und Dokumentenvergleiche zu den zeitintensiven Routineaufgaben. Gerade bei umfangreichen Vertragswerken oder mehreren Bearbeitungsständen kann es mühsam sein, sämtliche Änderungen nachzuvollziehen. Moderne KI-Anwendungen unterstützen Juristen dabei, Unterschiede systematisch herauszuarbeiten und übersichtlich darzustellen.

 

Praxisbeispiel

Ein Fachanwalt für Handels- & Gesellschaftsrecht erhält von der Gegenseite eine überarbeitete Fassung eines Gesellschaftervertrags. Statt beide Versionen Zeile für Zeile zu vergleichen, nutzt er eine KI-Anwendung, um die Änderungen zunächst strukturiert zusammenfassen zu lassen.

Die KI kann beispielsweise:

  • geänderte Klauseln identifizieren,
  • neu eingefügte oder entfernte Regelungen hervorheben,
  • Unterschiede thematisch gruppieren und
  • auffällige Änderungen in einer übersichtlichen Zusammenfassung darstellen.

Anschließend prüft der Anwalt die relevanten Passagen selbst, bewertet deren rechtliche Auswirkungen und erstellt gegebenenfalls eine erste Risikoliste.

Auch in der Steuerberatung kann dieser Anwendungsfall hilfreich sein, etwa beim Vergleich verschiedener Fassungen von Gesellschaftsverträgen, Nachfolgekonzepten oder internen Richtlinien.

 

Der Nutzen

Anstatt Zeit mit dem Auffinden einzelner Änderungen zu verbringen, können sich Steuerberater und Fachanwälte schneller auf die fachliche Bewertung konzentrieren. Besonders bei umfangreichen Dokumenten oder mehreren Überarbeitungsrunden lässt sich der Prüfungsaufwand dadurch spürbar reduzieren.

 

Worauf geachtet werden sollte

KI erkennt Unterschiede im Wortlaut, bewertet deren rechtliche Tragweite jedoch nicht. Ob eine geänderte Formulierung tatsächlich Auswirkungen auf die Vertragsgestaltung oder den konkreten Sachverhalt hat, muss weiterhin durch den beratenden Berufsträger beurteilt werden.

Mandantengespräche, interne Besprechungen oder Telefonate liefern häufig eine Vielzahl an Informationen, Entscheidungen und offenen Aufgaben. Diese anschließend vollständig zu dokumentieren, kostet Zeit – insbesondere dann, wenn aus handschriftlichen Notizen, Stichpunkten oder Aufnahmen aus einem Diktiergerät ein strukturierter Aktenvermerk entstehen soll. Hier kann generative KI eine sinnvolle Unterstützung bieten.

 

Praxisbeispiel

Nach einem ausführlichen Beratungsgespräch zu einer Unternehmensnachfolge hat ein Steuerberater zahlreiche Notizen gesammelt. Statt daraus manuell ein Protokoll zu erstellen, nutzt er ChatGPT, um die Informationen in eine übersichtliche Struktur zu bringen. Auch für Fachanwälte kann dieser Anwendungsfall hilfreich sein, etwa nach Erstberatungsgesprächen, Vergleichsverhandlungen oder internen Fallbesprechungen.

Die KI kann beispielsweise:

  • Gesprächsinhalte logisch gliedern,
  • offene Fragestellungen zusammenfassen,
  • vereinbarte Maßnahmen auflisten,
  • Verantwortlichkeiten zuordnen und
  • eine übersichtliche To-do-Liste erstellen.

Darüber hinaus können bestimmte KI-Systeme wie Google Gemini das Gespräch aufzeichnen und aus dem Transkript automatisiert ein Protokoll erstellen lassen.

 

Der Nutzen

Ein strukturiertes Protokoll erleichtert nicht nur die spätere Bearbeitung eines Mandats, sondern verbessert auch die Zusammenarbeit innerhalb der Kanzlei. Aufgaben gehen seltener verloren, Folgetermine lassen sich einfacher vorbereiten und der Bearbeitungsstand bleibt für alle Beteiligten nachvollziehbar. Gerade bei langen oder regelmäßig wiederkehrenden Besprechungen kann die Zeitersparnis erheblich sein.

 

Worauf geachtet werden sollte

Wie bei allen KI-Anwendungen gilt auch hier: Mandantenbezogene Informationen dürfen nur unter Beachtung der geltenden Datenschutz- und Verschwiegenheitsanforderungen verarbeitet werden. Darüber hinaus sollte jedes automatisch erstellte Protokoll vor der Ablage oder Weitergabe sorgfältig geprüft und gegebenenfalls ergänzt werden. Besprechen Sie zudem vorab mit Ihrem Mandanten, ob er einer Aufzeichnung zustimmt.

Generative KI kann nicht nur bei der täglichen Mandatsarbeit unterstützen, sondern auch beim Aufbau und der Vertiefung fachlicher Kenntnisse. Gerade Steuerberater und Fachanwälte müssen sich kontinuierlich mit neuen Gesetzen, Rechtsprechung und Verwaltungsanweisungen auseinandersetzen. KI kann Juristen und Steuerberater dabei helfen, komplexe Themen verständlicher aufzubereiten und den Lernprozess aktiv zu begleiten.

 

Praxisbeispiel

Eine Rechtsanwältin bereitet sich auf ihren Fachanwaltslehrgang im Erbrecht vor und möchte das Pflichtteilsrecht wiederholen. Anstatt ausschließlich Lehrbücher zu lesen, nutzt sie eine KI-Anwendung ergänzend als Lernpartner.

Sie lässt sich beispielsweise:

  • komplexe Zusammenhänge in einfachen Worten erklären,
  • Unterschiede zwischen ähnlichen Rechtsinstituten gegenüberstellen,
  • kleine Verständnisfragen oder Quizaufgaben erstellen,
  • fiktive Fallkonstellationen formulieren oder
  • zu einem Thema selbst abfragen.

Auch Steuerberater können KI nutzen, um sich beispielsweise auf neue gesetzliche Regelungen vorzubereiten oder einzelne Themengebiete vor einem Seminar noch einmal gezielt aufzufrischen.

 

Der Nutzen

Anders als klassische Fachliteratur reagiert eine KI unmittelbar auf Rückfragen. Dadurch entsteht ein interaktiver Lernprozess, bei dem sich Inhalte Schritt für Schritt vertiefen lassen. Insbesondere bei komplexen Themen kann es hilfreich sein, sich einzelne Zusammenhänge mehrfach und aus unterschiedlichen Perspektiven erklären zu lassen.

KI ersetzt dabei weder Fachliteratur noch hochwertige Fortbildungen. Sie kann jedoch dazu beitragen, vorhandenes Wissen schneller zu wiederholen, Wissenslücken zu erkennen und sich gezielter auf Seminare oder Prüfungen vorzubereiten.

 

Worauf geachtet werden sollte

Gerade im juristischen und steuerlichen Bereich sollten KI-generierte Erklärungen niemals ungeprüft übernommen werden. Gesetze, Rechtsprechung und Verwaltungsauffassungen ändern sich regelmäßig. Deshalb sollte KI von Juristen und Steuerberatern maximal als ergänzendes Lernwerkzeug genutzt werden, nicht als alleinige Wissensquelle.

Die fachliche Einordnung und der Austausch mit erfahrenen Dozenten bleiben insbesondere bei anspruchsvollen Themen unverzichtbar. Hochwertige Fachseminare vermitteln nicht nur aktuelles Wissen, sondern ermöglichen auch die Diskussion praxisnaher Fälle und den direkten Dialog mit Experten - einen Mehrwert, den die meisten generativen KI-Modelle nicht ersetzen können.

Anders sieht es bei hochwertigen Legal AI-Tools wie Otto Schmidt Answers aus. Diese Modelle werden speziell auf juristische Fachliteratur trainiert und bieten damit einen entscheidenden Vorteil.

KI als Lernbegleiter

KI als Jurist und Steuerberater sinnvoll einsetzen: mit Fachwissen und Augenmaß

Künstliche Intelligenz ist längst im Kanzleialltag angekommen – ob bei der Mandantenkommunikation, der Analyse umfangreicher Dokumente oder der Erstellung von Arbeitsentwürfen. Richtig eingesetzt können KI-Tools Steuerberater und Fachanwälte bei zahlreichen Routineaufgaben unterstützen und wertvolle Zeit sparen.

Gleichzeitig gilt: KI ersetzt weder die fachliche Expertise noch die persönliche Beratung. Juristische und steuerliche Fragestellungen erfordern weiterhin Erfahrung, Urteilsvermögen und eine sorgfältige Prüfung aller Ergebnisse. Generative KI sollte daher als Werkzeug verstanden werden, das die tägliche Arbeit ergänzt - nicht als Ersatz für den Berufsträger.

Wer die Möglichkeiten und Grenzen von ChatGPT, Perplexity, Claude und weiteren KI-Modellen kennt, kann die Technologie gezielt in bestehende Arbeitsprozesse integrieren, Dazu gehört auch, sich kontinuierlich mit neuen Entwicklungen auseinanderzusetzen und die eigenen Kompetenzen im Umgang mit KI weiter auszubauen.

 

Was zeichnet Fachseminare von Fürstenberg als Anbieter für KI-Weiterbildungen aus?

Fachseminare von Fürstenberg bietet seit Februar 2023 ChatGPT-Seminare und war damit einer der ersten Anbieter solcher Seminare, die speziell für Juristen ausgerichtet sind. Seitdem durften wir mehr als 2.200 Teilnehmer in unseren verschiedenen KI-Seminaren begleiten.

Unsere praxisnahen Seminare und Lehrgänge vermitteln aktuelles Fachwissen, ordnen neue Technologien ein und zeigen auf, wie sich digitale Werkzeuge sinnvoll in den Berufsalltag integrieren lassen – fundiert, praxisorientiert und mit Blick auf die Anforderungen der rechts- und steuerberatenden Berufe.

 

Welche KI-Weiterbildungen bietet Fachseminare von Fürstenberg an?

Erfahren Sie im Webinar zu ChatGPT & Co. für Juristen alles darüber, wie Sie als Anwalt oder Anwältin KI-Chatbots im Kanzleialltag verwenden können.

Im Webinar ChatGPT für Steuerberater erhalten unter anderem Steuerberater, Fachanwälte für Steuerrecht sowie Wirtschaftsprüfer einen Einblick in die Potenziale von ChatGPT.

Das Webinar zu ChatGPT für Kanzleimitarbeitende richtet sich speziell an Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte sowie Kanzleimitarbeitende.

Im Libra-Webinar für Juristen bekommen Sie Einstieg und eine Vertiefung in die DSGVO- und BRAO-konforme KI-Plattform Libra.

Stand: August 2026